In
dem mongolischen Buch „Uliger-un
dalai" , dem „Meer voller Beispiele", gibt
es eine Fülle kleiner Erzählungen, aus der auch die folgende
Fabel stammt.
An einem Teich wohnten zwei große Wildgänse und ein
Frosch. Nun hatte es lange keinen Regen mehr gegeben und der Teich
trocknete langsam aus. Aber die beiden Wildgänse warteten
bis zum letzten Tag, ehe sie sich entschlossen umzuziehen.
Liebe Freunde, sagte der Frosch, bitte habt Erbarmen und nehmt
mich irgendwie mit zum Wasser. Ja, wie denn, sagten die Wildgänse,
nenne uns eine Methode und wir werden es gerne tun. Ha, erwiderte
der Frosch, seht ihr diese kleine Holzstange? Ich halte mich mit
meinem Mund in der Mitte fest und ihr nehmt die beiden Enden in
eure Schnäbel und auf geht´s! Gute Idee, sagten die
beiden Wildgänse, und die drei flogen los.
In jedem Landstrich, über den sie kamen, staunten die Lebewesen,
groß und klein, was für zwei intelligente Wildgänse
da über sie hinwegzogen und sie drückten laut ihre Bewunderung
aus. Was für eine kluge Idee, geniale Gänse, toll, riefen
sie alle!
Da hielt es der Frosch nicht mehr aus und konnte nicht mehr länger schweigen.
Es ist meine Idee, ich bin genial, rief er, öffnete den Mund
und stürzte in die Tiefe.....
Die nächste Geschichte geht auf eine wahre Begebenheit zurück.
Um 1960 entschloß sich der Staat der äußeren
Mongolei, dem kommunistischen Nordvietnam ein Freundschaftsgeschenk
zu machen. Dieses bestand aus Pferden, die nach Hanoi geschickt
wurden. Bald darauf war eines der Pferde auf wundersame Weise verschwunden.
Ein halbes Jahr später sah der Besitzer eines kleinen Bauernhofes
bei Ulan Bator in aller Frühe ein mageres schmutziges verletztes
Wildpferd, das sich aus der Ferne mit müden Schritten seinem
Hof näherte. Wem mag dieses Pferd gehören, dachte er.
Er ging auf das Pferd zu und er bemerkte, dass es eine große
Träne im Auge hatte. Voller Überraschung erkannte er
sein altes Pferd wieder: Wie weit musste es gelaufen sein, den
Yangtse und den gelben Fluß überquert haben, Städte
und Dörfer umgangen haben, um Häschern auszuweichen.
Gerührt versprach er, es für immer bei sich zu behalten.... |
The Mongolian
book "Uliger-un
dalai", the "Sea of Parables" contains an abundance
of little stories, from which the following fable is taken.
At a pond, there lived two large wild geese and a frog. There
had been no rain for ages, and the pond was starting to dry up.
But the two wild geese waited until the very last day before they
decided to leave.
My dear friends, said the frog, please have pity on me, and take
me with you somehow to a place where there's water. Yes, but how,
said the wild geese, just tell us a way to do it, and we'll be
pleased to oblige. Aha, said the frog, do you see this little wooden
rod? I'll hold the middle of it in my mouth, you take the two ends
in your beaks, and off we go! Good idea, said the two wild geese,
and the three of them flew away.
In the countryside they were flying over, all the creatures, great
and small, marvelled at the two intelligent wild geese high above
them, and were vocal in their admiration. What a clever idea, brilliant,
look at those clever geese, they all cried!
But meanwhile the frog was bursting with self-importance and could
no longer keep silent. It's my idea, I'm the clever one here, he
cried, opening his mouth, and fell to the ground .....
The next story is based on fact.
Around 1960, the state of Outer Mongolia decided to make a gift
to communist North Vietnam as a gesture of friendship. It consisted
of horses, which were sent to Hanoi. Soon afterwards, one of them
had mysteriously disappeared.
Early one morning six months later, the owner of a small farm
near Ulan Bator saw a dirty, emaciated, injured wild horse, approaching
his farm from afar, with exhausted steps. Who could this horse
belong to, he thought. He went up to the horse, and noticed it
had a large tear in its eye. To his great surprise, he recognised
his own old horse: how far must it have travelled, crossing the
Yangtse and the Yellow River, bypassing the towns and the villages
so as to evade pursuers. Touched, he promised to keep it with him
for ever ....
|