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Säure
setzte vielen Bürkel-Bildern zu Restauratorin
erläuterte ihre Arbeit |
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Pirmasenser Zeitung
Mai 1996
von Thomas Hutzler |
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| Ablauf Punkt
4 |
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Ich habe die Arbeit an den Zeichnungen von Heinrich Bürkel
voller Freude ausgeführt. Das glaubt man Hai-Yen Hua
sofort, wenn sie über die Restaurierung der 65 wertvollen Zeichnungen
und Aquarelle des Pirmasenser Malers erzählt.
Begeisterung lag in der Stimme der in Taiwan geborenen Restauratorin,
als sie am Donnerstag abend in den Konferenzräumen der Wasgauhalle
über die Bürkel-Zeichnungen sprach. Dabei stieß
Hai-Yen Hua bei ihrer Arbeit auf große Probleme, die jedoch
ausschließlich im schlechten Zustand der Bürkel-Hinterlassenschaften
lagen. Dagegen lobte sie ganz ausdrücklich die gute und intensive
Zusammenarbeit mit der Stadt, wie sie Frau Hua zuvor selten erlebt
habe.
Insgesamt gingen bisher 65 Zeichnungen und Aquarelle durch die
Mannheimer Werkstatt der Restaurationskünstlerin. Die Schwierigkeiten
für das Restauratorenteam fingen mit den eigentlichen Werken
an. Teilweise, erläuterte Hai-Yen Hua, habe Bürkel handgeschöpftes
Papier verwendet. Das über die Maschine hergestellte Papier
war allerdings besonders schlecht und spröde, was nun auch
die Restauration erschwert.
Anhand einiger Dias, aufgenommen vor der Restauration, veranschaulichte
Frau Hua den Zustand der Sammlung, in dem sie von der Stadt übernommen
wurde. Einige der Bilder, so auch die Bleistift- und Tuschezeichnung
Höhle bei Amalfi waren vollflächig auf Passepartout
aus Karton geklebt. Dies war früher von den Sammlern gut gemeint,
weiß die Restauratorin, da man dadurch die Bilder nicht mehr
direkt berühren mußte sondern am Passepartout angreifen
konnte. Aber weil es in den siebziger Jahren noch keinen säurefreien
Karton gab, hat diese Methode der Aufbewahrung den Aquarellen und
Zeichnungen erheblich zugesetzt.
Hauptsächlich waren die Bilder vergilbt, durch Mikroorganismen
entstanden Stockflecken, Knicke und Falten waren weitere Übel,
die es von den Bildern zu beseitigen galt. Bei manchen Arbeiten
waren auf der Rückseite Stempel aufgedrückt, die auch
durchschlugen. Keine leichte Aufgabe für die Restauratorin
und ihre Mitarbeiter, doch sie hat sie gemeistert.
Weitere 32 Bilder werden restauriert
So konnte Kulturdezernent Peter Schiel auch schon am Vortragsabend
den Auftrag für die Bearbeitung von 32 weiteren Zeichnungen
zusichern. Er sei stolz darauf, sagte Schiel, daß durch die
Ausstellung, welche ein voller Erfolg ist, die Bürkelsammlung
ins rechte Licht gerückt werden konnte. Ausdrücklich dankte
Schiel der Bayerischen Vereinsbank mit ihrem Direktor Gerhard Klesmann,
dem Verein Kunst und Kultur, der Firmengruppe Kömmerling, der
Messe GmbH und nicht zuletzt Heike Wittmer und Dunja Maurer, die
von städtischer Seite mit viel Engagement die Bürkel-Ausstellung
vorbereiteten. Die vorliegenden Ergebnisse rechtfertigen die
eingesetzten Mittel, stellte Schiel fest. Auch die Kulturstiftung
Rheinland-Pfalz hat die Restaurierung der Bilder unterstützt.
Insgesamt umfaßt die städtische Bürkel-Sammlung
1870 Zeichnungen und Aquarelle. Die Restaurierung ausgesuchter Werke
diene dem Werterhalt des städtischen Besitzes, der nicht nur
finanziell, sondern auch kulturhistorisch von Bedeutung sei. Dies
betonte auch Hai-Yen Hua mehrfach während ihres Vortrages.
Als Kunsthistorikerin und Restauratorin, die überwiegend für
Museen arbeitet, kennt sie die Bedeutung einer solch umfassenden
Sammlung wie der von Heinrich Bürkel und den auch damit verbundenen
ideellen Wert.
Viele Fragen an die Restauratorin belegten das Interesse der Zuhörer,
und bei der Frage nach dem weiteren Vorgehen der Stadt, besonders
mit Blick auf die Finanzen, wurde auch ein Spendenaufruf angeregt.
Peter Schiel wird die Spenden gerne annehmen und für den Erhalt
der umfassenden Bürkel-Sammlung verwenden.
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Die Kunst der Restauration
Vortrag zur Bürkel-Ausstellung
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Artikel aus der
Pirmasenser Zeitung März 1999
von Norbert Scharf |
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| Ablauf Punkt
5 |
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Im Rahmen der zur Zeit stattfindenden Ausstellung
des in Pirmasens geborenen Malers Heinrich Bürkel, konnte Kulturdezernent
Peter Schiel die mit der Restauration der Werke beauftragte
Hai-Yen Hua begrüßen.
Bevor die Restauratorin ihren Diavortrag
in der Wasgauhalle vor den zahlreich erschienenen Besuchern beginnen
konnte, wies der Kulturdezernent auf die Ausstellung vor drei Jahren
hin, wo er seinen Luftballon steigen ließ, man
müsse einen Teilverkauf der Bürkel-Bilder in Betracht
ziehen, um weitere Kosten zu decken. Stolz zeigte er sich, daß
er dadurch die Kunstfreunde zur aktiven finanziellen Mitarbeit angeregt
hatte. Auch im Jahr 2002 wird es eine Ausstellung geben, bei der
die hier gezeigten Skizzen den Bürkel-Bildern gegenüber
gestellt werden. Die Restauratorin begann schon in der Einführung
ihres Vortrages anzudeuten, welche außerordentlich aufwendigen
Bedingungen die zu einer Wiederherstellung von beschädigten
Exponaten notwendig sind.
Vor 17 Jahren konnte sie eine Werkstatt
in Deutschland gründen, in der sie Kunstwerke aus verschiedensten
Kulturkreisen restauriert. Wichtig sind hierbei die Licht- und Klimabedingungen,
welche äußerst konstant gehalten werden müssen.
Vereinfacht gesagt werden die Exponate dann gewaschen
und gebleicht, was die Säuren in den Papieren abbaut, und dann
in einem Bad mit calciumkarbonathaltigem Wasser gebadet. Auf einem
Vakuumtisch werden Schmutz und Vergilbungen sofort nach der Behandlung
abgesaugt, was beeindruckende Ergebnisse produziert. Die Restauratorin
gab sich viel Mühe, die vielen komplizierten Arbeitsschritte
verständlich zu erklären und erntete mit diesem gelungenen
Vortrag Anerkennung und Bewunderung.
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| Frau
Hua heilt die Bürkel-Schätze |
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Artikel aus der
Pirmasenser Zeitung 1999
von Hans-Heiner Ritzer |
| Ablauf Punkt
6 |
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Im Atelier der Papier-Restauratorin werden
die Zeichnungen des Pirmasenser Malers konserviert.
Vieles erinnert an einen Operationssaal,
wenn man die Mannheimer Atelier-Räume der Restauratorin Hai-Yen
Hua betritt. Lange Fensterfronten und Dutzende von Beleuchtungskörpern
tauchen die einige Hundert Quadratmeter große Werkstatt in
ein geheimnisvolles Licht und unterstreichen die schon fast klinisch-steril
anmutende Atmosphäre des Raumes. Die kleine Delegation aus
Pirmasens Oberbürgermeister Joseph Krekeler und Stadtarchivarin
Heike Wittmer wird vor Betreten der Heiligen Hallen
freundlich aufgefordert, die Straßenschuhe gegen bereitstehende
Hausschuhe zu tauschen und das hat nicht nur damit zu tun,
daß man bei Frau Hua ganz offensichtlich chinesischen Kultur-Raum
betritt.
Staub und Schmutz seien neben der
im natürlichen entstehenden Säurebelastung die
größten Feinde ihrer teilweise jahrhundertealten Patienten,
erklärt die Restauratorin, die sich als eine von ganz wenigen
Fachleuten in Europa und weltweit auf die Rettung historisch und
kulturell wertvoller Papiere spezialisiert hat. Große Museen
und Archive aus aller Welt wenden sich an die Taiwanesin, die seit
über zehn Jahren mit ihrem deutschen Mann in Mannheim lebt
und arbeitet.
Kunstschätze gerettet und konserviert
In ihrer Patienten-Kartei befinden sich
beispielsweise alte handgeschriebene Evangeliare aus dem Mittelalter,
ein Ablaß-Brief aus der gleichen Epoche, Erd- und Himmelsgloben
des berühmten Kartographen Coronelli aus dem 17. Jahrhundert,
unzählige Asiatika, aber auch jüngere Blätter von
Paul Czesanne, Holzschnitte von Edvard Munch oder Spitzweg-Zeichnungen.
Kunstschätze sind durch ihre Hände gegangen und eben auch
die 174 Zeichnungen, Skizzen und Aquarelle von Heinrich Bürkel,
die sie seit 93 für die Stadt restauriert und konserviert hat,
um sie vor dem Verfall zu retten.
Jedes Stück erhält ein eigenes
Krankenblatt.
Aber ganz gleich wie wertvoll ein Patient
eingeschätzt wird, der in Huas gefühlvolle Chirurgen-Hände
kommt, die Sorgfalt der Behandlung ist für alle gleich. Das
beginnt zunächst mit der Erstellung eines Krankenblattes, das
den Zustand des Stückes im Detail dokumentiert. Außer
Anamnese und Diagnose hält Hua in diesem Restaurations-Protokoll,
das dem Eigentümer nach Abschluß des Heilungsprozesses
zusammen mit seinem wertvollen Stück übergeben wird, auch
die Therapie-Maßnahmen fest.
Um Verunreinigungen zu entfernen
bei den Pirmasenser Bürkel-Blättern bereiten beispielsweise
Archivierungsstempel Probleme - können die Papiere gewässert,
sogar richtig gewaschen werden, und wenn nötig, wird vorsichtig
gebleicht. Risse werden mit einem selbst angesetzten Kleber aus
Weizenstärke repariert. Sogar Löcher können gestopft
werden, mit einer je nach Zusammensetzung des Originals speziell
hergestellten Papier-Maische. Das Allheilmittel Wasser kann dabei
sogar Anwendung finden, wenn Vorlagen mit wasserlöslichen Farben
und Tinten bemalt oder beschrieben sind. Die Stücke werden
auf einen selbst entwickelten Vakuum-tisch aufgelegt. Mittels Unterdruck
kann das Reinigungsmittel sofort nach dem Aufbringen wieder abgesaugt
werden. Selbst Aquarellmalereien und Handschriften bleiben dabei
unbeschadet. Zum Abschluß der Behandlung erhalten die restaurierten
Stücke bei einem Bad in hartem Wasser einen alkalischen Puffer
gegen weitere Säure-Angriffe. Zur oft Wochen dauernden Trocknung
kommen die Blätter an eine spezielle chinesische Trockenwand.
Chinesische Tradition und europäische
Technik
Bei ihrer gesamten Arbeit setzt Hua in erster
Linie auf das jahrhundertealte Wissen rund um die Papierherstellung,
daß sie aus dem chinesischen Kulturkreis mitgebracht hat.
Dennoch kommt auch viel moderne westliche Technik zum Einsatz. Hier
kann sie, wie auch beim vorsichtigen Experimentieren mit modernen
chemischen Mitteln, oftmals auf den Rat und die Unterstützung
ihres Mannes setzen, dem im Hauptberuf für einen großen
Industriebetrieb tätig ist. Aus dem Beruf seiner Frau hat er
für sich inzwischen fast schon mehr als ein Hobby gemacht.
Wenn Hai-Yen Hua in ihrer Mannheimer Papier-Klinik
nicht gerade Kunst- und Kultur-Erbe fürsorglich verarztet,
ist sie häufig als Dozentin gefragt, die weltweit über
ihre ungewöhnlichen Behandlungsmethoden referiert. Sogar in
China ist ihr Wissen gefragt, um alte Kenntnisse vor dem Vergessen
zu bewahren. Auf einer ihrer letzten Reisen hatte sie ein Plakat
der kürzlich zu Ende gegangenen Pirmasenser Bürkel-Ausstellung
im Gepäck und das hängt nun in der deutschen Botschaft
in Peking.
Bürkel-Nachlaß
Über 1.200 Zeichnungen und Aquarelle
von Heinrich Bürkel besitzt die Stadt Pirmasens. Die Kunstblätter,
von denen einzelne eine fünfstelligen Marktwert haben, gingen
1969 aus dem Nachlaß an das Stadt-Archiv. 1992 fanden erste
Gespräche mit der Restauratorin Hai-Yen Hua statt. Von den,
laut Archivarin Heike Wittmer, etwa 600 erhaltenswerten Blättern
sind 174 bearbeitet. Rund 240.000 Mark wurden dafür mit Hilfe
von Zuschüssen und Spenden aufgebracht.
Spenden mit Verwendungszweck Bürkel
können auf das Konto 59, Kreissparkasse Pirmasens, eingezahlt
werden.
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| Gut
aufbewahren Hai-Yen Hua
über ihre Arbeit |
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Artikel aus der
Pirmasenser Zeitung 1999
von Thomas Hutzler |
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| Ablauf Punkt
7 |
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In neuem Glanz erstrahlen 65 Werke von Heinrich
Bürkel aus dem Besitz der Stadt, die in der Wasgauhalle zu
sehen sind. Dies ist ein Verdienst der Restauratorin Hua. Mit ihr
sprach PZ-Mitarbeiter Thomas Hutzler.
Frau Hua, Sie haben nun 65 Bürkel-Zeichnungen
restauriert. Wie sind Sie bei insgesamt 1870 Werken an die Arbeit
herangegangen?
Wir haben zuerst ein Konzept für die
Stadt Pirmasens erstellt, nach dem restauriert werden sollte. Dazu
gehört neben der eigentlichen Arbeit an den Zeichnungen auch
die Aufbewahrung aller Bilder. In einem klimatisierten Raum ist
nun auch sichergestellt, daß die weitere Beeinträchtigung
der noch nicht behandelten Bilder verhindert wird.
Sie sind in Taiwan geboren, wie sind
Sie nach Deutschland gekommen?
Vor 23 Jahren kam ich nach meinem ersten
Studium als Zeichnerin in die Schweiz, um dort weiter zu studieren.
Während einer Studienaufenthaltes in Chicago lernte ich meinen
Mann kennen und lebe nun schon seit 16 Jahren in Deutschland. Wir
arbeiten zusammen, da er mir als Chemiker viele Hilfen bezüglich
der Zusammensetzung von Papier und Farben geben kann.
Sie sind Kunsthistorikerin,
haben Sie auch einen Studienabschluß als Restauratorin?
Man kann den Beruf des Restaurators hier
nicht lernen. Die meisten Interessenten absolvieren eine Buchbinderlehre
und bilden sich dann weiter. Auch in unserer Werkstatt sind immer
wieder Praktikanten beschäftigt. In Asien gibt es eine Ausbildung,
diese dauert allerdings zehn Jahre. Ich selbst habe mich auf Zeichnungen
und Farben während des Studiums spezialisiert. Wir suchen immer
nach neuen Methoden, und auch ich besuche immer wieder Kurse, um
mich auf einzelnen Gebieten weiterzubilden.
Sie sind auch international bekannt durch
Vorträge und Publikationen?
Durch unsere Forschungen, die wir auch bei
den Restaurierungen betreiben, bleibt es nicht aus, daß wir
viele Publikationen verfassen, die sich beispielsweise mit Bleichtechniken
oder Klebern beschäftigen. In diesem Punkt ist das Restaurieren
keine rein handwerkliche Arbeit. Natürlich bleiben da Vortragsreisen
in meine Heimat oder zu internationalen Kongressen nicht aus. Hinzu
kommen spezielle Kurse, die wir für Museen, Bibliotheken oder
Fachschulen abhalten.
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