 |
|
Restaurierung von Zeichnungen und
Aquarellen
von Heinrich Bürkel 1802-1869
|
| Restoration
of Drawings and Watercolour by Heinrich Bürkel |
 |
| Hai-Yen Hua ,1996
,Vortrag ,Stadt Pirmasens |
 |
|
Sehr geehrte meine Damen und Herren
Vielen Dank, daß ich heute zum zweiten Mal zu Ihnen hier
in Primasens sprechen kann und ganz besonderen Dank für Ihr
zahlreiches Erscheinen. Es ist mir eine besondere Ehre, im Geburtsort
von Heinrich Bürkel über die Restaurierung seiner Zeichnungen
und Aquarelle zu berichten.
Darf ich Ihnen zuerst einen kleinen Einblick in meine Werkstatt
geben und Ihnen dabei an ausgewählten Beispielen der hier ausgestellten
Exponate die typischen Schäden erläutern, durch die eine
Restaurierung notwendig wird.
|
| |
 |
| |
|
|
Vor 17 Jahren habe ich in Deutschland eine Werkstatt gegründet,
in der ich Kunstwerke aus verschiedenen Kulturkreisen vom Mittelalter
bis zur Moderne restauriere. Dabei kombiniere ich europäische
und asiatische Techniken.
Ich bin öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige
für Kunst auf Papier und Textilien und beurteile Zustand der
Kunstwerke und deren Restaurierung. In den vielen Jahren habe ich
auch Unterricht gegeben z. B. in München, Wien, der Schweiz,
China und Taiwan.
Jetzt möchte ich Ihnen meine Werkstatt vorstellen: Die Einrichtung
sowie ein großer Teil der Apparate wurden selbst entwickelt
und hergestellt. Hierzu sind auch einige Publikationen erschienen.
Eine Restaurierwerkstatt benötigt einen großen Raum und
viel Platz.
|
| |
 |
| |
|
Zum einen werden stets mehrere Kunstwerke gleichzeitig bearbeitet.
Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten sind oft mehrere Ruhepausen
notwendig. Zum anderen bearbeite ich viele großformatige Kunstwerke.
Bei der Arbeit benötigt man natürliches Licht aus Norden
und Süden. Außerdem brauchen wir kaltes Kunstlicht, damit
die Farben gut beurteilt werden können. Außerdem werden
konstante Luftfeuchtigkeit und Temperatur benötigt. Darum ist
die Werkstatt großflächig mit Fußbodenheizung ausgestattet.
Ferner muß ein großes Lager für verschiedene alte
und neue Papiere vorhanden sein.
Alte Papiere werden z. B. benötigt, um die Fehlstellen in den
historischen Kunstwerken zu ergänzen.
|
| |
|
|
|
| |
|
Hier sind die Werkzeuge, die wir benötigen:
· Die verschiedenen Pinsel
· Die Messer und Skalpelle
Beim Restaurieren wechseln Naß- und Trockenbehandlung miteinander
ab. Also benötigt man auch einen Naß- und einen Trockenraum.
Bitte folgen Sie mir nun in den Naßraum. Hier werden die
Arbeiten ausgeführt, die Wasser und Lösungsmittel benötigen
und die Reinigungsarbeiten sind.
|
| |
|
|
| |
|
|
Dies ist ein kleines Wirbelbett, in dem hartes Wasser zum Neutralisieren
von Papier hergestellt wird. Der pH-Wert von vielen Kunstwerken
auf Papierbasis sinkt durch falsche Lagerung und Umweltbedingungen
auf einen Wert unter 7. Das bedeutet, dass das Papier sauer wird
und die Zersetzung beschleunigt wird.
Dies ist ein Vakuumtisch. Er dient zur schonenden Reinigung von
Kunstwerken. Man legt ein Bild auf eine feine Siebplatte aus Stahl
wie sie zur Herstellung von Papier verwendet wird. Dann erzeugt
man mit einer Wasserringpumpe ein Vakuum und befeuchtet das Kunstwerk.
Das schmutzhaltige Wasser wird durch das angelegte Vakuum sofort
nach unten abgesaugt. Schmutz und Vergilbungen werden ausgewaschen,
ohne daß die Malfarbe verläuft. Es kann auch eine Plexiglashaube
über den ganzen Tisch gestülpt werden, innerhalb derer
ein feindisperser Wassernebel erzeugt wird. Das ganze besonders
empfindliche Bild kann so schonend eingeweicht und gereinigt werden.
|
| |
|
|
|
| |
|
Diese große Presse ist für großformatige Papiere.
Vor allem wird sie für maschinell hergestellte Papiere eingesetzt.
Ich kombiniere oft die beiden Methoden zum Glätten und Trocknen.
Um Papier zu flicken, also Fehlstellen und Risse zu schließen
und zwei Papiere zusammenzukleben, benutzen wir nur selbstgekochte
Weizenstärke. Mit dieser Methode hat man immerhin über
1000 Jahre positive Erfahrungen gesammelt. Dieses Bindemittel kann
mit Feuchtigkeit wieder reversibel entfernen werden, ohne daß
organische Lösungsmittel eingesetzt werden müssen. Hier
möchte ich Ihnen die aufwendige Prozedur der Herstellung dieses
Kleisters zeigen. Hier ist ein Apparat um Weizenstärke mit
Wasser zu Kleister zu verkochen. Dies dauert drei Stunden. Der so
hergestellte Kleister wird dann wie Konfitüre im Glas für
einige Monate aufbewahrt. Bevor wir ihn benutzen, wird er in einem
Holzgestell gepresst und im Mörser geschlagen. Hierdurch wird
die Bindekraft wieder aktiviert. Danach wird der Kleister gesiebt,
damit er feinkörnig wird. Je nach Anwendung mischen wir diese
Masse mit bestimmten Mengen von Wasser, so daß die Konsistenz
zwischen milchig bis geleeartig ist.
Die Arbeit des Restaurators hat zwei Seiten. Die eine Seite ist
die handwerkliche, das manuelle Können. Hier ähnelt die
Arbeit der des Chirurgen, der einen kranken Patienten vor sich hat,
und der keinen Fehler machen darf. Jeder Arbeitsschritt muß
wohl überlegt sein. Jeder Handgriff muß sitzen:
Der Restaurator muß dabei die handwerklichen Methoden
von damals und von heute kennen und beherrschen.
Er muß viel Geduld aufbringen
Er muß sich im Umgang mit Chemikalien und biologisch
aktiven Stoffen auskennen.
Und er braucht schließlich eine Reihe von Apparaten
und Gerätschaften
Die andere Seite ist die intellektuelle und kunstgeschichtliche.
Der Restaurator muß sich intensiv mit dem Künstler und
seinem Werk auseinandersetzen. Ja, er muß sich in den Künstler
hineinversetzen. Gleichzeitig lernt er beim Restaurieren die Technik
und den Stil des Künstlers besser kennen als bei anderen Gelegenheiten.
Er hat einen intensiven Kontakt zum Künstler aufgebaut.
Der Restaurator muß also das Kunstwerk, seine Zeit
und seine Entstehungsgeschichte verstehen und sich eindenken und
einfühlen können.
Er muß mit einem hohen ethischen Standard arbeiten,
denn die Qualität einer Restaurierung zeigt sich oft erst nach
Jahren.
Notwendig ist eine gute künstlerische Ausbildung, um
dem hohen künstlerischen Niveau der Kunstwerke aus Museen gerecht
zu werden.
|
| |
|
|
|
| |
|
Darf ich Ihnen nun erläutern, warum Papier kaputt geht.
Papier ist ein Vlies aus:Cellulose, Füllstoffen und Leimung.
Papier wird heutzutage meistens aus Holz hergestellt.
Reste ligninhaltiger Verbindungen aus dem Holz bilden jedoch mit
Licht und dem Sauerstoff der Luft farbige Nebenprodukte. Dies führt
zu einer langsamen Verfärbung des Kunstwerkes, die nur durch
Bleichen wieder entfernt werden kann.
Besonders problematisch ist es, wenn das Bild mit Pappe hinterlegt
ist. Pappe enthält im Gegensatz zu Papier noch besonders viel
Lignin. Gelbe Farbstoffe aus der Pappe wandern nun langsam in das
daraufliegende Papier.
Auf dem Dia sehen Sie einige Zeichnungen. Sie sind auf lignin-
und säurehaltige Holzpappe geklebt. Das war damals vom Sammler
gut gemeint. Er wollte eine direkte Berührung des Kunstwerkes
mit der Hand vermeiden. Was der Sammler damals nicht wußte
ist, daß sich nach einigen Jahren das Lignin und die Säure
auf die Rückseite des Bildes übertragen und das Bild schädigen
würde.
|
| |
|
|
|
| |
|
Hier sehen Sie das stark vergilbte Bild Franziskaner.
Nur in der Mitte und an den Rändern sind helle Streifen. Vergilbung
wird durch Licht und Lignin verursacht.
Der hellen Streifen in der Mitte ist gut zu erkennen. Betrachtet
man die Rückseite sieht man, daß ein Riß mit einem
Papierstreifen geflickt wurde. Er hat verhindert, daß das
Lignin direkt mit dem Papier in Berührung kam und dadurch ist
diese Stelle nicht so stark vergilbt.
Die hellen Stellen an den Rändern waren durch ein Passepartout
bedeckt (und dadurch vor Licht geschützt).
Nach der Restaurierung haben wir alle Bilder in Passepartouts aus
säurefreiem Museumskarton aufbewahrt.
|
| |
|
|
| |
|
|
Hier zeige ich Ihnen zwei Landschaftsbilder, die auf Pergament
gezeichnet sind. Die Restaurierung von Pergamentpapier gehört
zu den schwierigsten Aufgaben, weil es durch seine Herstellung den
Papiercharakter verloren hat.
Diese beiden Zeichnungen sind gefaltet, stark vergilbt und durch
einen Wasserschaden von Schimmel befallen.
Hier sehen Sie die beiden Zeichnungen vor und nach der Restaurierung
|
| |
|
|
| |
|
|
Bürkel ist ein großartiger Zeichner. Bei der Porträtzeichnung
können wir sehen, wie sensibel und doch gleichzeitig sicher
seine Strichführung ist. Neben Stil und Zeichentechnik zeichnen
sich seine Porträts durch seine Einfühlung in die Charaktere
und der Ausstrahlung aus.
Hier sehen Sie: :Tiroler Mädchen. Sie sehen die
beschmutze Vorderseite, die voller Stockflecken ist. Hier sehen
Sie einen großen violetten Stempel auf der Rückseite.
Diese Stempelfarbe ist in Wasser und Lösungsmittel löslich
und kann sich auf der Vorderseite durchschlagen.
|
| |
|
|
| |
 |
| |
|
Nun folgen die Portätstudien: Bauer, Alter Bauer, Gesichtsstudie.
Auf den Rückseiten sehen Sie Etiketten, der Kleber dieser Etiketten
kann mit der Zeit in das Papier eindringen. Jetzt möchte ich
Ihnen noch ein Bild aus dieser Ausstellung zeigen:
Diebfassender Hund, mit Detail
|
| |
|
 |
| |
|
Hier sehen Sie die Rückseite des Bildes. Sie ist stark vergilbt.
Das Ligninhaltige Papier wird heute nicht mehr verwendet. Heute
benutzen wir säurefreies Papier.
Jetzt möchte ich meinen Vortrag mit diesem Tiroler Mädchen
Porträt schließen.
Ich möchte mich noch einmal bei der Stadt Pirmasens bedanken,
daß ich die Gelegenheit hatte, diese einmaligen, wunderbaren
Bilder von Heinrich Bürkel restaurieren zu dürfen. Es
war ein großes Erlebnis für mich. Vor allem Frau Wittmer
und Frau Mauer möchte ich nochmals herzlich danken, daß
Sie mich bei dieser Aufgabe so freundlich unterstützt und begleitet
haben.
Meine Damen und Herren,
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Hai-Yen Hua
Primasens, 06.03.1999
|
| |
|
|
|
 |
Back to Top |
 |
The Hai Yen Institute
for Conservation of Works of Art
Karl
Kuntz Weg 9
D-68163 Mannheim. Germany
Tel:+49-(0)621-413631
Fax:+49-(0)621-413632
E-mail: hua@art-restoration.org
URL: www.art-restoration.org
Copyright © hica All rights reserved |