| Mannheim (iri) -
An der Tür müssen Besucher die Schuhe ausziehen und in Schläppchen
schlüpfen, dann bekommen sie ein Namensschild mit chinesischen
Schriftzeichen an Hemd oder Bluse geheftet. In Neuostheim tagt seit
gestern die "Chinese Women Association". Bei Hai-Yen Hua-Ströfer,
der stellvertretenden Präsidentin in Deutschland fragten wir
nach, warum Unterricht in Pfälzer Weinkultur ein Schwerpunkt
dieses Treffens ist.
Ist die "Chinese Business Women Association"
ein Verein nur für chinesische Geschäftsfrauen?"
Nein, es handelt sich um einen internationalen Verein mit Hauptsitz
in Taiwan. Wir sind ein Verein für berufstätige Frauen,
beschränken uns also nicht auf Geschäftsfrauen. Es gehören
auch Angestellte, Schriftstellerinnen und Musikerinnen zu uns. Die
bekannte Pianistin Pi-Hsien Chen ist zum Beispiel Mitglied bei uns.
Hier in Deutschland haben wir 52 Mitglieder, von denen etwa 20 zu
diesem Treffen nach Neuostheim gekommen sind.
Können auch Frauen anderer Nationalitäten
beitreten?
In Deutschland zur Zeit noch nicht. Wir befinden uns noch im Aufbau.
Für später würden wir uns deutsche Mitglieder wünschen,
aber sie sollten unbedingt Interesse für unsere Kultur mitbringen.
Welche Ziele verfolgt die "Chinese Business
Women Association" ?
Für Frauen ist es sehr schwierig, Familie und Beruf zu vereinen.
Wir wollen uns deswegen in Geschäftsfragen gegenseitig helfen,
uns aber auch in die Gesellschaft integrieren, indem wir aktiv Sozialarbeit
leisten. Der Verein vergibt zum Beispiel Stipendien an arme Studenten
oder unterstützt Frauen in Not. Wir beraten unsere Mitglieder
auch, zum Beispiel bei Personalproblemen. Heute hören wir einen
Vortrag über den Euro.
Warum beschäftigen Sie sich ausgerechnet
mit Pfälzer Weinkultur?
Weil wir in Europa leben, sind Kenntnisse über Wein für
uns unentbehrlich. Wir trinken viel Wein, aber wir verstehen nichts
davon. In Asien gibt es mittlerweile einen großen Markt für
Wein, aber wir haben Schwierigkeiten, dem chinesischen Essen den
jeweils passenden Wein zuzuordnen. Deswegen bekommen wir heute abendin
Kallstadt ein viergängiges Menü und dazu verschiedene
Weine.
In China gibt es ja Reiswein. Ist der mit
Wein aus Trauben vergleichbar?
Der Reiswein ist ganz anders. Es gibt nicht so viele Variationen
davon. Unterschiedliche Einstufungen wie beispielsweise "Qualitätswein"
oder "Prädikatswein" existieren überhaupt nicht.
Allerdings wird der chinesische Reiswein, genau wie der Wein hier
auch, zum Essen getrunken.
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China
aufnahmefähiger Markt
Kallstadt: Verband Chinesischer Geschäftsfrauen
zu Gast
"Wein und Pfalz, das ist mehr als irgend eine Landschaft und irgend
ein Getränk", hat es Hai Yen Hua selbst erlebt. Die Vizepräsidentin
der Sektion Deutschland der "Chinese Business Women Association"
und Organisatorin der diesjährigen Mitgliederversammlung in Mannheim,
ist Pfalz-Fan. "Pfalz und Wein gehören zusammen, sind Kulturgut
und verbinden sich zu einer eigenen Lebensart. " Hua lebt seit
über 22 Jahren in Europa, hat in Mannheim einen eigenen Betrieb
zur Restaurierung von Kunstwerken aufgebaut und ist mit einem Deutschen
verheiratet.
Das sind übrigens viele ihrer Kolleginnen. So vermischt sich bei
der Vorstellung für deutsche Ohren Ungewohntes mit westlichen Namen. 26
selbstewußte, durchaus erfolgreiche, lebhafte Chinesinnen aus ganz
Deutschland - vergnüte Gespräche hin und her sowie fröhliches
Lachen waren im Weinhaus Henninger in Kallstadt vorprogrammiert.
Dennoch genossen sie sichtlich das Menü und die dazu ausgesuchten
Weine. "Mein alter, lieber Lehrmeister Walter Henninger hat mich
natürlich fachkundig beraten", offenbart Hua. "Zu unserer Küche,
so sagt man oft, passe kein Wein". Das stimme aber so nicht. Wein
sei in Taiwan, Hongkong, Singapore und auch in China bei den Wohlhabenden
sehr beliebt. Nur verstünde man dort viel zu wenig davon. "Da ist
ein aufnahmefähiger Markt vorhanden. Er wartet darauf, erschlossen
zu werden." Hua weiß, wovon sie spricht, hat sie selbst doch schon
Pfälzer Wein in ihre Heimat vermittelt. Die diesjährige Jahresversammlung
des "Verbandes Chinesischer Geschäftsfrauen", Sektion Deutschland,
vereinte am Wochenende Mitglieder und Anhang in Mannheim und an
der Deutschen Weinstraße. Weltweit sind in Verband 16 Länder vertreten.
Schwerpunkte dieses Zusammenschlusses mit Hauptsitz in Taizhong
auf Taiwan sind neben Europa in den USA, in Kanada und den asiatischen
Industrieländern angesiedelt.
"Die deutsche Sektion", erläuter Shuang Shiow-Schwedler, seit
1997 Präsidentin, hat 52 Mitglieder, die hauptsächlich aus Taiwan,
China, Hongkong und Singapore stammen." Dabei würden nicht nur
selbständige Geschäftsfrauen, sondern auch Angestellte, Wissenschaftlerinnen
und Künstlerinnen, etwa Musikerinnen und Schriftstellerinnen aufgenommen.
Der Verband wolle den Kontakt untereinander und zu den jeweiligen
Gastländern pflegen und die Kenntnisse wirtschaftlicher, sozialer
und kultureller Zusammenhänge fördern. Auch helfe man aktiv, wenn
ein Notfall auftrete. Im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung
habe man neben einem Vortrag über den Euro dem Kulturgut Wein besondere
Aufmerksamkeit gewidmet. Die Weine kamen - wie auch das Essen -
bei den Damen sehr gut an, ganz besnders die als Aperitif gereichte
Riesling Beerenauslese. Als dann zum Nachtisch Käse auf dem Tisch
stand, probierten die "Sparsamen", diesen honigsüßen "Nektar" dazu
- und waren begeistert von der Kombination.
"Dieses Weinseminar hat uns sehr gefallen", meinte eine Sinologin
aus Hamburg, die dort an der Universität lehrt. "Viele von uns,
die die Pfalz noch nicht kannten, werden wiederkommen an die Weinstraße.
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