|
Vom 06. bis 08. Mai 2004 trafen sich 13 Restauratoren aus vier
verschienen Ländern in Mannheim zu einem Workshop "Kaschieren
mit Kleister". Beim Betreten des Grundstücks Hua-Ströfer
im Karl-Kuntz-Weg begrüßten uns herrlich blühende
Päonien in allen Farben. Diese asiatische Idylle und die herzliche
Gastfreundschaft gaben den Tagen ein eigenen Flair. Hai-Yen Hua-Ströfer
hatte fachlich kompetent, wie kaum anders zu erwarten, das Programm
vorbereitet. Die einzelnen Pinsel waren für die Teilnehmen
extra präpariert worden, und so konnte jeder mit seinen Utensilien
einen Platz in der großen, hellen Werstatt einnehmen.
Für einige Arbeiten wurden besondere Werkzeuge benötigt,
die von den Teilnehmern selbst hergestellt wurden: Das Anfertigen
eines Banbusspatels aus Rohmaterial war genauso interessant wie
das Herstellen kleiner, in chinesische Seide eingefaßter Nadeln.
Das Herstellen von Kleister wurde ausführlich demonstriert.
Um ein zügiges Arbeiten zu ermöglichen, füllt Frau
Hua den längere Zeit gekochten Kleister in Einweckgläser
ab. So steht jederzeit die Grundmasse "Kleister" zur Verfügung.
Sie wird dann ähnlich wie Glasnudeln durch eine Presse gedrückt.
Nach längerem Zerstampfen in einer Steinmulde entsteht eine
glasige, geschmeidige Masse, die, zuletzt durch ein Roßhaarsieb
gedrückt, gebrauchsfertig ist.
An drei schön gestalteten kaligrafischen Blättern wurden
von den Teilnehmern selbst die verschiednen Kaschiermethoden ausprobiert,
die dann jeweils mit dem Spannen am Karibari (Trockenwand) ihren
Abschluß fanden. Beid der Naßkaschiermethode wird das
Originalblatt mit Kleister bestrichen und mit einem trockenen Kaschierpapier
versehen. Bei der Trockenmethode wird das Originalblatt nur leicht
gefeuchtet und das Kaschierpapier naß aufgelegt. Der Aufbau
und die Wirkungsweise eines Karibari wurde ausgiebig besprochen.
Danach demonstrierte die Assistentin, Frau Zhang, den Aufbau eines
chinesischen Rollbildes.
An eigenen Blättern wurde nun das Gelernte praktisch nachvollzogen.
Die bereits einmal kaschierten Übungsblätter wurden nun
mit Seideneinfassung und einer Rückwand versehen, wobei alle
Teile bezeichnet sind. Die seitlichen Einfassungsstücke werden
als "Säulen" bezeichnet und die unteren und oberen
Einfassungen als "Erde und Himmel". Das zu kaschierende
Originalblatt ist das "Herz" und das Kaschierpapier wird
mit dem Begriff "Leben" benannt. Das entsprechend montierte
Bild wurde mit einer doppelkaschierten Rückwand vershen. Diese
bestand aus zwei langfaserigen, gegenläufig kaschierten
Restaurierungspapieren. Abschließend wurde das Rollbild
nochmals auf den Karibari gespannt. Mit unzähligen Fragen zum
Thema wurde Frau Hua belagert. Die Demonstration einer Kaschierung
auf Seide war so interessant wie das Glätten der fertigen Objekte
mit dem Stein oder einer Glasperlenkette.
In den Pausen erwärmte uns wohlschmeckender Tee. Auch wenn
es unaufhörlich regnete, tat dies der fröhlichen Atmosphäre
keinen Abbruch. Mittags und abends wurden die Teilnehmer mit Köstlichkeiten
der chinesischen Küche verwöhnt. Etwas Besonderes waren
dabei die großen Mengen chinesischer Ravioli. Für jeden
Teilnehmer werden diese Tage in besonderer Erinnerung bleiben. Somit
sei Hai-Yen Hua-Ströfer und ihren beiden Assistentinnen von
Herzen für ihre Gastfreundschaft und ihre Fachkompetenz gedankt.
|