Brichte und Interviews / Reports and Interviews
Kaschieren mit Kleister
Auszug aus der Zeitschrift
"PapierRestaurierung" Vol. 5 (2004) - No.3
Cornelia Bandow, Franziska Richter - Ludwigsburg

Vom 06. bis 08. Mai 2004 trafen sich 13 Restauratoren aus vier verschienen Ländern in Mannheim zu einem Workshop "Kaschieren mit Kleister". Beim Betreten des Grundstücks Hua-Ströfer im Karl-Kuntz-Weg begrüßten uns herrlich blühende Päonien in allen Farben. Diese asiatische Idylle und die herzliche Gastfreundschaft gaben den Tagen ein eigenen Flair. Hai-Yen Hua-Ströfer hatte fachlich kompetent, wie kaum anders zu erwarten, das Programm vorbereitet. Die einzelnen Pinsel waren für die Teilnehmen extra präpariert worden, und so konnte jeder mit seinen Utensilien einen Platz in der großen, hellen Werstatt einnehmen.

Für einige Arbeiten wurden besondere Werkzeuge benötigt, die von den Teilnehmern selbst hergestellt wurden: Das Anfertigen eines Banbusspatels aus Rohmaterial war genauso interessant wie das Herstellen kleiner, in chinesische Seide eingefaßter Nadeln.

Das Herstellen von Kleister wurde ausführlich demonstriert. Um ein zügiges Arbeiten zu ermöglichen, füllt Frau Hua den längere Zeit gekochten Kleister in Einweckgläser ab. So steht jederzeit die Grundmasse "Kleister" zur Verfügung. Sie wird dann ähnlich wie Glasnudeln durch eine Presse gedrückt. Nach längerem Zerstampfen in einer Steinmulde entsteht eine glasige, geschmeidige Masse, die, zuletzt durch ein Roßhaarsieb gedrückt, gebrauchsfertig ist.

An drei schön gestalteten kaligrafischen Blättern wurden von den Teilnehmern selbst die verschiednen Kaschiermethoden ausprobiert, die dann jeweils mit dem Spannen am Karibari (Trockenwand) ihren Abschluß fanden. Beid der Naßkaschiermethode wird das Originalblatt mit Kleister bestrichen und mit einem trockenen Kaschierpapier versehen. Bei der Trockenmethode wird das Originalblatt nur leicht gefeuchtet und das Kaschierpapier naß aufgelegt. Der Aufbau und die Wirkungsweise eines Karibari wurde ausgiebig besprochen. Danach demonstrierte die Assistentin, Frau Zhang, den Aufbau eines chinesischen Rollbildes.

An eigenen Blättern wurde nun das Gelernte praktisch nachvollzogen. Die bereits einmal kaschierten Übungsblätter wurden nun mit Seideneinfassung und einer Rückwand versehen, wobei alle Teile bezeichnet sind. Die seitlichen Einfassungsstücke werden als "Säulen" bezeichnet und die unteren und oberen Einfassungen als "Erde und Himmel". Das zu kaschierende Originalblatt ist das "Herz" und das Kaschierpapier wird mit dem Begriff "Leben" benannt. Das entsprechend montierte Bild wurde mit einer doppelkaschierten Rückwand vershen. Diese bestand aus zwei langfaserigen, gegenläufig kaschierten

Restaurierungspapieren. Abschließend wurde das Rollbild nochmals auf den Karibari gespannt. Mit unzähligen Fragen zum Thema wurde Frau Hua belagert. Die Demonstration einer Kaschierung auf Seide war so interessant wie das Glätten der fertigen Objekte mit dem Stein oder einer Glasperlenkette.

In den Pausen erwärmte uns wohlschmeckender Tee. Auch wenn es unaufhörlich regnete, tat dies der fröhlichen Atmosphäre keinen Abbruch. Mittags und abends wurden die Teilnehmer mit Köstlichkeiten der chinesischen Küche verwöhnt. Etwas Besonderes waren dabei die großen Mengen chinesischer Ravioli. Für jeden Teilnehmer werden diese Tage in besonderer Erinnerung bleiben. Somit sei Hai-Yen Hua-Ströfer und ihren beiden Assistentinnen von Herzen für ihre Gastfreundschaft und ihre Fachkompetenz gedankt.

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